
Für die Wohlfahrtsverbände mit ihren zahlreichen Pflege-Einrichtungen hat dieses Thema eine hohe Dringlichkeit - auch weil die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Sachsen-Anhalt weiter steigt. Bis 2040 voraussichtlich auf 220.000 - das entspricht 12 % der Bevölkerung. Dazu steigen die Eigenanteile.
Pflegende Angehörige, ambulante Dienste und Pflegeeinrichtungen sichern Teilhabe und Selbstbestimmung im Alter. Engagierte Pflegekräfte leisten täglich wertvolle Arbeit. Soziale Verantwortung heißt: Jeder pflegebedürftige Mensch erhält wohnortnah, bezahlbar und bedarfsgerecht Hilfe und Pflege. Dort, wo Hilfen zur Pflege nach SGB XII notwendig sind, werden sie zeitnah gewährt. Pflegende Angehörige werden entlastet, Fachkräfte gewonnen und gehalten.
Die Probleme sind jedoch vielseitig. „Die Situation ist herausfordernd. Alles andere wäre Augenwischerei", sagt Marcel Kabel, Referent für Altenhilfe und Pflege beim Paritätischen Landesverband. „Wir brauchen kreative Möglichkeiten, wie Pflegeversicherung anders gedacht werden kann. Ein Weg ist es, individuelle Hilfssettings zu gestalten, also jeden Menschen individuell zu betrachten. Und Bürokratie muss auf ein Minimum zurückgeführt werden."
„Anträge müssen schneller bearbeitet werden, um schneller eingreifen und unterstützen zu können, damit das Schonvermögen der Bewohner bei diesen bleiben kann", nennt Dr. Liane Czerwinski, Fachbereichsleitung Pflege und Senioren beim AWO-Kreisverband Wittenberg, ein Beispiel. Sie warnt: „Pflegende Angehörige decken einen stärkeren Pflegegrad mit ab. Wenn die Einstufung in die Pflegegrade verschärft wird, steigt die Gefahr, dass zu pflegende Menschen Aufgaben wieder selbst übernehmen und sich dann verletzen." Generell gilt: „Die Problematik ist überall in der Pflege ähnlich."
Damit die Pflege auch in Zukunft würdevoll gestaltet werden kann, fordert die LIGA eine landesseitige Beteiligung an den Investitionskosten, die Finanzierung der Ausbildungskosten über die Steuern, die Dynamisierung der Sachleistungen der Pflegeversicherung, die finanzielle Absicherung pflegender Angehöriger und die Förderung eines langfristigen Quartiersmanagements.

Wie kann die Zukunft der Pflege aussehen? Im Podcast spricht Moderator Frieder Weigmann mit Dr. Liane Czerwinski und Marcel Kabel über die vielfältigen Herausforderungen und wie diese gemeistert werden können. Hier der Podcast zum Hören - und vieles mehr zum Lesen: www.menschlichkeitwaehlen.de
Hintergrund
Zur LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen-Anhalt gehören sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Land Sachsen-Anhalt:
Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen-Anhalt - www.awo-sachsenanhalt.de
Caritasverband für das Bistum Magdeburg - www.caritas-bistum-magdeburg.de
Der Paritätische Sachsen-Anhalt - www.paritaet-lsa.de
Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Landesverband Sachsen-Anhalt - www.sachsen-anhalt.drk.de
Diakonie Mitteldeutschland - www.diakonie-mitteldeutschland.de
Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt - www.lv-sachsen-anhalt.de
Gemeinsam vertreten diese Verbände mehrere tausend soziale Einrichtungen und Dienste im Land - von Pflegeheimen, Beratungsstellen und Krankenhäusern über Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen bis hin zu Angeboten für Menschen mit Behinderungen, Migrantinnen und Migranten sowie ehrenamtlichem Engagement. Nach Angaben der LIGA engagieren sich unter ihrem Dach rund 30.000 Ehrenamtliche und mehr als 65.000 hauptamtliche Mitarbeitende in über 3.600 Einrichtungen und Diensten in Sachsen-Anhalt.