
Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, bringt es so auf den Punkt: „Menschen mit Beeinträchtigungen haben ein gesetzlich verbrieftes Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, auf gleichberechtigte Teilhabe und gesellschaftliche Anerkennung."
Regulierte Verfahren zur Feststellung von Unterstützungsleistungen sind oft zu bürokratisch, langwierig und intransparent. Menschen mit Beeinträchtigungen brauchen schnelle, einfache und verlässliche Lösungen. Dazu gehören eine individuelle Bedarfserhebung, unbürokratische Bewilligungsverfahren („ein Antrag, ein Gespräch, eine Entscheidung") und die auskömmliche Finanzierung der Eingliederungshilfe in einer personenzentrierten Leistungserbringung.
Menschen mit Beeinträchtigungen sind auf dem freien Wohnungsmarkt massiv benachteiligt. Es gibt zu wenig barrierefreie Wohnungen und es mangelt an sozialer Mitpreisbindung. Menschen mit Beeinträchtigungen haben praktisch keinen Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Christoph Stolte: „Viele Arbeitgeber wissen nicht um das Potential von Menschen mit Beeinträchtigungen und ihren wertvollen Fähigkeiten und Fertigkeiten - hier braucht es gezielte Förderung und Aufklärung und eine verbesserte Steuerung mit der Ausgleichsabgabe. Geschützte Werkstätten und Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes könnten enger kooperieren."
Fachkräfte in der Eingliederungshilfe sind unverzichtbar. Soziale Berufe müssen durch Informationen, Ausbildungsförderung und gute tarifliche Bezahlung attraktiv sein.
Die politische Selbstvertretung von Menschen mit Beeinträchtigungen soll gestärkt werden. Der Landesbehindertenbeirat muss bei relevanten Gesetzes- und Verwaltungsprozessen verbindlich angehört und beteiligt werden.
Inklusion ist kein Randthema und kein Wunschdenken. Zur Landtagswahl 2026 fordert die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen-Anhalt ein klares Signal aller Parteien für ein Land, das Vielfalt als Stärke begreift, Menschen mit Beeinträchtigungen als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger anerkennt und Inklusion nicht als Option, sondern als Verpflichtung gestaltet.

Teilhabe und Inklusion - das Thema bewegt. Im Podcast spricht Moderator Frieder Weigmann mit seinen Gästen ausführlich über alles, was ihnen am Herzen liegt. Hier der Podcast zum Hören - und vieles mehr zum Lesen: www.menschlichkeitwaehlen.de
Hintergrund
Zur LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen-Anhalt gehören sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Land Sachsen-Anhalt:
Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen-Anhalt - www.awo-sachsenanhalt.de
Caritasverband für das Bistum Magdeburg - www.caritas-bistum-magdeburg.de
Der Paritätische Sachsen-Anhalt - www.paritaet-lsa.de
Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Landesverband Sachsen-Anhalt - www.sachsen-anhalt.drk.de
Diakonie Mitteldeutschland - www.diakonie-mitteldeutschland.de
Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt - www.lv-sachsen-anhalt.de
Gemeinsam vertreten diese Verbände mehrere tausend soziale Einrichtungen und Dienste im Land - von Pflegeheimen, Beratungsstellen und Krankenhäusern über Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen bis hin zu Angeboten für Menschen mit Behinderungen, Migrantinnen und Migranten sowie ehrenamtlichem Engagement. Nach Angaben der LIGA engagieren sich unter ihrem Dach rund 30.000 Ehrenamtliche und mehr als 65.000 hauptamtliche Mitarbeitende in über 3.600 Einrichtungen und Diensten in Sachsen-Anhalt.